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Das Verhältnis zwischen Anne und ihren Eltern

Anne Frank und ihre Eltern

Anne Franks Tagebuchaufzeichnungen werden von einer Mitarbeiterin im Hinterhaus der Firma Opekta gefunden. Otto Frank, Annes Vater, der als einziger die Deportation überlebt hat, veröffentlicht das Tagebuch im Jahre 1947. Bis ins Detail schildert Anne die aktuellen Tageserlebnisse im Versteck des Hinterhauses. Sowohl private als auch politische Dinge erzählt Anne ihrer Ersatzfreundin, der sie den Namen „Kitty“ gegeben hat.

Intensiv wird im gesamten Buch die Beziehung zu den Eltern thematisiert, die sich mit Annes jugendlicher Entwicklung verändert.

"Mein Vater, der liebste Schatz von einem Vater, den ich je getroffen habe..." Ihr Vater wird für sie eine große Stütze im Alltag, in dem sie sich immer wieder neu gegen Angriffe und Verletzungen der eingesperrten Erwachsenen wappnen muss. Anne glaubt, von allen bevormundet zu werden. Ein Eintrag vom 3. Oktober 1942:

 "[...] Gestern gab es wieder einen Zusammenstoß, und Mutter hat sich schrecklich aufgespielt. Sie hat Papa all meine Sünden erzählt und heftig angefangen zu weinen. Ich natürlich auch, und ich hatte sowieso schon schreckliche Kopfschmerzen. Ich habe Papi endlich gesagt, dass ich ihn viel lieber habe als Mutter. Daraufhin hat er gesagt, dass das schon wieder vorbeigehen würde, aber das glaube ich nicht. Mutter kann ich nun mal nicht ausstehen, und ich muss mich mit Gewalt zwingen, sie nicht anzuschnauzen und ruhig zu bleiben. Ich könnte ihr glatt ins Gesicht schlagen. Ich weiß nicht, wie es kommt, dass ich so eine schreckliche Abneigung gegen sie habe. [...] Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Mutter mal stirbt. Aber wenn Papa stirbt, das könnte ich, glaube ich, nicht aushalten. [...]"

Besonders in der ersten Zeit gibt es im Versteck des Hauses der Prinsengracht häufig Auseinandersetzungen zwischen Anne und ihrer Mutter. Darin geht es meistens um Annes charakterliche Defizite, wobei es sich mehr um den mütterlichen Wunsch zu handeln scheint, ihre Töchter würden sich in ihrer Sanftmut mehr gleichen. Das Mädchen berichtet verzweifelt, dass sie sich mit ihren Freundinnen besser verstünde als mit ihrer eigenen Mutter. So entfremden sich die beiden immer mehr voneinander.Der Konflikt wird keinesfalls durch ein klärendes Gespräch gelöst – vielmehr belastet das Schweigen die Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Dazu kommt, dass Frau Frank sich oft mit Petronella van Daan auseinandersetzen muss, in einer Art "Konkurrenzkampf" um die Liebe und Anerkennung ihres Mannes. Die ganze Situation spitzt sich im Laufe der Zeit immer mehr zu, kommt jedoch nie zum Ausbruch, denn die Versteckten müssen die Not und die Strapazen des Krieges bewältigen.

"[...] Ich dampfe vor Wut und darf es nicht zeigen. Ich würde am liebsten mit den Füßen aufstampfen, schreien, Mutter gründlich durchschütteln, weinen und was weiß ich noch alles wegen der bösen Worte, der spöttischen Blicke, der Beschuldigungen, die mich jeden Tag aufs Neue treffen wie Pfeile von einem straff gespannten Bogen und die so schwer aus meinem Körper zu ziehen sind. [...]"

Während der zwei Jahre entwickelt sie immer neue Strategien, die mütterliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Als das nicht gelingt, verschließt sich das junge Mädchen innerlich und akzeptiert die scheinbar nicht zu ändernde Situation. Später findet sie einen Leidensgenossen in Peter, dem es in seiner Mutterbeziehung ähnlich ergeht und die beiden tauschen sich viel über ihre Gefühle aus. Insgesamt lernt Anne, mit ihren eigenen Veränderungen als Teenager umzugehen, wird reifer und bekommt langsam einen neuen Blick für die Dinge. Sie erkennt mit unglaublicher Menschenkenntnis schon in ihren jungen Jahren die Eheprobleme ihrer Eltern, was ihr wiederum hilft, ein bisschen Verständnis für Edith Frank aufzubringen.

Schließlich kann sie auch mit ihrer Schwester, Margot Frank, über die Beziehung zu ihren Eltern reden, wie sehr sie die Mutterliebe vermisst und davon enttäuscht ist.

Sie beschreibt, wie unabhängig sie die Jahre im Hinterhaus gemacht haben, wie wenig sie jetzt noch auf ihre Eltern angewiesen ist. Anne unternimmt einen letzten Versuch, die Beziehung zu klären. Im Tagebuch heißt es am 5. und 7. Mai 1944:

"[...] Ich glaube, Vater, dass du eine Erklärung von mir erwartest, ich will sie dir geben. [...] Ich habe keine Mutter mehr nötig, ich bin durch all die Kämpfe stark geworden. Nun, da ich es geschafft habe, will ich auch meinen eigenen Weg gehen, den Weg, den ich für richtig halte. [...] Entweder du verbietest mir alles, oder du vertraust mir durch dick und dünn! Nur lass mich dann auch in Ruhe! Deine Anne M. Frank."

Herr Frank ist erschüttert über diesen Brief und macht seiner Tochter in einem ernsten Gespräch klar, dass sie kein Recht zu solchen Aussagen habe und wie undankbar sie sei. Anne sieht das ein und bereut ihre Vorwürfe.

Dem Leser des Tagebuchs wird deutlich, dass ihre pubertären Streitereien mit der Zeit zurückgehen. Denn je älter Anne wird, desto überlegter werden ihre Aufzeichnungen. Anne bemerkt ihre Nachdenklichkeit, ihre zunehmende innere Reife und berichtet häufiger über eigene Probleme, Gedanken und Gefühle.

Die Einträge der 15-jährigen Anne enden am 1. August 1944 – nur wenige Tage vor ihrer Verhaftung.

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